Pädakustik: Hörakustiker erklären Fachbegriffe rund ums Hören auf YouTube / Was bei Schwerhörigkeit im Kindesalter zu beachten ist

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Mainz (ots) –

Hören ist für die Entwicklung von Kindern sehr wichtig. „Insbesondere für das Erlernen von Sprache spielt der Zeitfaktor bei der Versorgung von Schwerhörigkeit im Kindesalter eine wichtige Rolle“, sagt Eberhard Schmidt, Hörakustikmeister und Vizepräsident der Bundesinnung der Hörakustiker (biha), der auch Pädakustiker ist. Rund 500.000 Kinder in Deutschland sind von Schwerhörigkeit betroffen.

Wann wird der erste Hörtest durchgeführt?

Zum ersten Mal wird das Gehör direkt nach der Geburt bei einem Neugeborenen-Hörscreening getestet. „Wird eine Hörschädigung bei einem Kind festgestellt, kann diese zumeist mit einem individuell angepassten Hörsystem bestmöglich ausgeglichen werden“, erklärt Schmidt. Die Anpassung übernehmen in der Regel auf Kinder spezialisierte Hörakustiker, die sogenannten Pädakustiker.

Was ist Pädakustik?

Als Teilbereich der Hörakustik deckt die Pädakustik das besondere Wissen über das empfindliche Kindergehör sowie spezielle, spielerische Messverfahren ab, die bei Kindern in Abhängigkeit von ihrem Alter angewendet werden. „Die Messung des Hörvermögens und die Hörsystemanpassung bei Kindern erfordert viel Fingerspitzengefühl und besondere Techniken, in denen Pädakustiker geschult sind“, sagt Schmidt. Als weltweit größte Ausbildungsstätte des Hörakustiker-Handwerks bietet die Akademie für Hörakustik in Lübeck eine spezielle Pädakustik-Fortbildung.

Ab welchem Alter ist eine Hörsystemversorgung möglich?

Wird eine Schwerhörigkeit diagnostiziert, ist eine Versorgung mit Hörgeräten ab dem zweiten Lebensmonat möglich. „Die Weiterentwicklung des schwerhörigen Kindes wird durch eine Hörsystemversorgung gefördert, denn nur durch die akustischen Reize, die wir aufnehmen, können die wichtigen Hörbahnen ausgebildet werden“, erklärt Schmidt.

Was passiert beim Pädakustiker?

In einer spielerischen, altersgerechten Atmosphäre werden zunächst weitere Hördaten des Kindes ermittelt und im Anschluss ein Hörsystem individuell auf den Hörverlust angepasst. „Bei Babys und Kleinkindern ist eine intensive und vertrauensvolle Mitarbeit der Eltern von großer Bedeutung, die wir in die Hörsystemversorgung ihres Kindes von Beginn an einbeziehen“, so der Pädakustiker. Bei Kindern von 0 bis 3 Jahren spielt vor allem die Beobachtungsaudiometrie eine wichtige Rolle. Dabei werden Kinder beispielsweise mit Spielzeug oder Kuscheltieren abgelenkt, während gemessen wird, ob sie auf verschiedene Geräusche reagieren. Bei Schulkindern und Jugendlichen kann mit optischen Reizen oder über Lautsprecher und Kopfhörer gearbeitet werden. „Kinder sollten unabhängig vom ihrem Alter den Besuch beim Pädakustiker als positives Erlebnis wahrnehmen und sich bei der Hörsystemanpassung wohlfühlen“, so Schmidt.

Was ist bei der Auswahl von Hörsystemen für Kinder wichtig?

Die Auswahl eines Hörsystems sollte altersgerecht erfolgen. Digitale Hörsysteme sind Minicomputer für die Ohren. Damit die Technik beim Spielen keinen Schaden nimmt, sind robuste Modelle gut geeignet. „Ein Hörsystem für kleine Kinder muss sandkastentauglich sein. Die meisten modernen Hörgeräte, die im Kindesalter zum Einsatz kommen, sind darum sehr staubresistent und feuchtigkeitsgeschützt“, sagt biha-Vizepräsident Schmidt. Eltern sollten zudem über ein LED-Lämpchen am Gehäuse der Geräte überprüfen können, ob das Hörsystem ihrer Kinder in Betrieb ist und funktioniert. Schulkindern hilft es, wenn ihr Hörsystem auch mit externen Mikrofonen verbunden werden kann. Spricht ein Lehrer in ein solches Mikrofon, kann die Sprachinformation direkt über das Hörsystem ins Ohr des schwerhörigen Schülers transportiert werden. Das hilft dabei, den Lehrer auch bei großer Geräuschkulisse im Klassenzimmer deutlich zu verstehen. „Jugendlichen ist zumeist wichtig, dass sie ihr Hörsystem mit dem Smartphone verbinden oder darüber Musik streamen können“, so Schmidt.

Weitere Details zur Hörsystemversorgung von Kindern erklärt Eberhard Schmidt in einer Folge der YouTube-Serie „Wörterbuch der Hörakustik“ im Kanal der Bundesinnung der Hörakustiker (Video: 5:36 Min.): https://youtu.be/DmXV3Q3OMRI.

Serie „Wörterbuch der Hörakustik“: Fachbegriffe auf YouTube erklärt

Die Welt des Hörens ist vielfältig, spannend und komplex. Rund ums Hören gibt es deshalb viele Fachbegriffe. In der YouTube-Serie „Wörterbuch der Hörakustik“ der Bundesinnung der Hörakustiker erklären Experten ausgewählte Fachausdrücke.

Mehr Service-Informationen gibt es auch auf der Website www.richtig-gut-hoeren.de.

Pädakustiker in Wohnortnähe finden sich über: www.hoerakustiker-suche.de.

Hintergrund zum Hörakustiker-Handwerk

In Deutschland gibt es etwa 5,4 Millionen Menschen mit einer indizierten Schwerhörigkeit. Schwerhörigkeit zählt zu den zehn häufigsten gesundheitlichen Problemen. Mit über 7.200 Hörakustiker-Betrieben und ca. 15.000 Hörakustikern versorgt das Hörakustiker-Handwerk bereits ca. 3,7 Millionen Menschen in Deutschland mit modernsten Hörsystemen. Die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) KdöR vertritt die Interessen der Hörakustiker in Deutschland.

Die Versorgungsqualität im Bereich von Hörsystemen ist in Deutschland sehr gut, das bestätigt die größte jemals von gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) durchgeführte Versichertenbefragung zur Hörsystemversorgung in Deutschland. Rund 90 Prozent der Versicherten waren „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit der individuellen Versorgungssituation. Und das unabhängig davon, ob der Versicherte eine mehrkostenfreie Versorgung gewählt oder eine private Zuzahlung geleistet hat.

Neben der Erstversorgung des Kunden ist der Hörakustiker auch für die begleitende Feinanpassung mit wiederholten Überprüfungen und Nachstellungen der Hörsystemfunktionen u.v.m. zuständig. Er berät zu Gehörschutz, Tinnitus und allem rund ums Hören.

Hintergrund zum Campus Hörakustik

Der Campus Hörakustik ist das zentrale Ausbildungs-, Fort- und Weiterbildungszentrum der Hörakustik in Deutschland. Im Rahmen einer international einmaligen Lernortkooperation der Bundesoffenen Landesberufsschule für Hörakustiker und Hörakustikerinnen (LBS) und der Akademie für Hörakustik (afh) unterrichten die afh und die LBS seit 1972 gemeinsam auf dem Campus zukünftige Hörakustiker und Hörakustikerinnen aus dem gesamten Bundesgebiet in Theorie und Praxis. Auch die Zwischen- und Gesellenprüfungen sowie Meisterkurse und -prüfungen finden auf dem Campus statt. Der Campus Hörakustik und die duale Hörakustik-Ausbildung haben weltweit Vorbildcharakter.

Pressekontakt:
Michael Skwarciak, M.A. (biha), [email protected]
Original-Content von: Bundesinnung der Hörakustiker KdöR, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots