Krieg im Jemen: „Das stille Sterben der Zivilbevölkerung geht weiter“ / Bürgerkrieg im Jemen jährt sich zum 8. Mal / Über 23 Mio. Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen

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Bonn (ots) –

Am kommenden Sonntag jährt sich der Tag des Kriegsbeginns im Jemen bereits zum achten Mal. Und noch immer ist ein Ende des bewaffneten Konflikts, der das ärmste Land der arabischen Welt in eine humanitäre Katastrophe gestürzt hat, nicht in Sicht. Seit Kriegsausbruch am 26. März 2015 sind laut UN-Schätzungen 380.000 Menschen getötet worden und mehr als 4,5 Millionen Menschen als Binnenvertriebene auf der Flucht. „Immer noch wird der katastrophalen Lage der Menschen im Jemen weltweit nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die nötig wäre, um ihre oft ausweglose Lage entscheidend zu verbessern“, sagt Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von „Aktion Deutschland Hilft“. Aufgrund des Krieges und seiner Folgen sind aktuell zwei von drei Jeminit:innen auf humanitäre Hilfe angewiesen – das sind mehr als 23 Millionen Menschen, darunter alleine 12,9 Millionen Kinder. „Die internationale Gemeinschaft muss den Druck auf die Kriegsparteien im Jemen noch einmal deutlich erhöhen“, fordert Roßbach. „Denn das stille Sterben der Zivilbevölkerung geht weiter.“

Unterernährung bedroht das Leben Hunderttausender Kinder

Seit „Aktion Deutschland Hilft“ am 01. Oktober 2016 den Hilfseinsatz für Jemen gestartet hat, sind rund 16 Millionen Euro an Spendengeldern bei „Aktion Deutschland Hilft“ eingegangen. Mit dem Geld können vor Ort wichtige Projekte der Bündnisorganisationen im Bereich medizinische Versorgung, Wasser und Hygiene sowie Ernährung finanziert werden. Und dennoch leiden aktuell 17 Millionen Menschen unter einer permanenten Nahrungsmittelunsicherheit. Noch dramatischer sieht die Lage bei den Kindern aus: Mehr als 2,1 Millionen der unter Fünfjährigen sind unterernährt – 538.000 von ihnen so stark, dass sie akut vom Tode bedroht sind. „Angesichts dieser alarmierenden Zahlen müssen wir feststellen, dass die internationale Hilfe bei weitem nicht ausreicht“, sagt Roßbach.

Bündnisorganisationen kämpfen gegen Leid und Vergessen

Elf Bündnisorganisationen von „Aktion Deutschland Hilft“ engagieren sich aktuell im Jemen – und das unter schwierigsten Bedingungen: So wurde die jüngste Waffenruhe, die von April bis Oktober 2022 für eine Pause des bewaffneten Konflikts zwischen den entmachteten Sunniten und den rivalisierenden Huthi-Rebellen geführt hatte, nicht verlängert. Vor allem im Westen des Landes ist die Lage unsicher. Immer wieder verschiebt sich die Frontlinie, Flughäfen werden von einem Tag auf den anderen geschlossen und bestehende Versorgungswege gekappt. Bündnisorganisationen wie CARE, action medeor, Handicap International, HelpAge oder Help – Hilfe zur Selbsthilfe kämpfen mit ihren Projekten u.a. gegen die anhaltende Nahrungsmittelknappheit, den mangelnden Zugang der Menschen zu sauberem Trinkwasser sowie die fehlende hygienische Abwasserversorgung. Denn: Gerade das Zusammenwirken dieser gefährlichen Mangellage sorgt in weiten Teilen der Bevölkerung für große gesundheitliche Probleme: Akut benötigen 12,6 Millionen Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung. Infektions-Krankheiten wie Cholera breiten sich immer wieder im Land aus. Allein seit 2016 kam es laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jemen zu 1,7 Millionen Cholera-Verdachtsfällen. Mehr als 3.400 Todesfälle in Folge der Krankheit sind dokumentiert.

Frieden als Grundlage für humanitäre Erfolge

Evani Debone, Koordinatorin bei ADRA Jemen, kennt die Probleme, mit dem das Land aktuell konfrontiert ist. „Es gibt so vieles, das sich im Jemen ändern muss. Regierungen, die Gelder für das Land bereitstellen, müssen sich für weitere Geberkonferenzen und Friedensverhandlungen einsetzen. Die Gespräche müssen weitergehen. Druck von außen kann einen großen Einfluss auf die Konfliktparteien haben“, sagt Debone.

Seit 27 Jahren engagiert sich ADRA im Jemen – und hat in dieser Zeit eine Menge erreicht. „Wir sind im Norden und Süden aktiv, in insgesamt zwölf Gouvernements. 2022 haben wir mit unseren Projekten mehr als 1,5 Millionen Menschen erreicht. Wir ermöglichen ihnen zum Beispiel Zugang zu Gesundheitsversorgung, zu Trinkwasser und Nahrung. Ein großer Teil der Hilfe richtet sich an unterernährte Kinder.“

Debone, die selbst seit vier Jahren in Aden (Süd-Jemen) lebt, ist tief beeindruckt von den Menschen dort: „Sie warten nicht darauf, dass von irgendwo Hilfe kommt. Sie strengen sich wirklich an, ihr Leben voranzubringen. Es geht ihnen nicht um Wohlstand, es geht darum, zu überleben. Ich bin mir sicher: Wenn Frieden herrscht, die grundlegenden Bedürfnisse gestillt sind, werden im Jemen großartige Dinge geschehen.“

An die Redaktionen: Wir vermitteln Ihnen gerne Gesprächs- und Interviewpartner zur humanitären Lage im Jemen sowie zur Nothilfe der Bündnisorganisationen.

Das ganze Interview mit Evani Debone, Koordinatorin bei ADRA Jemen, lesen Sie hier:

https://ots.de/Z78kaG

Mehr über die Nothilfe unserer Bündnisorganisationen erfahren Sie unter:

https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/hilfseinsaetze/hungerkatastrophe-jemen/

„Aktion Deutschland Hilft“, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen, bittet dringend um Spenden für „Hunger Jemen“

Spenden-Stichwort: „Hunger Jemen“

IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 (Bank für Sozialwirtschaft)

Online spenden unter: www.Aktion-Deutschland-Hilft.de

Kurzprofil Aktion Deutschland Hilft e.V.

„Aktion Deutschland Hilft“ ist das 2001 gegründete Bündnis renommierter deutscher Hilfsorganisationen, die im Falle großer Katastrophen ihre Kräfte bündeln, um schnelle und effektive Hilfe zu leisten. Die mehr als 20 beteiligten Organisationen führen ihre langjährige Erfahrung in der humanitären Hilfe zusammen. Über den Zusammenschluss von „Aktion Deutschland Hilft“ koordinieren die beteiligten Organisationen ihren Einsatz, sodass vor Ort keine Überschneidungen oder Versorgungslücken entstehen – und die Menschen im Katastrophengebiet die bestmögliche Hilfe erhalten. Unter einem gemeinsamen Spendenkonto ruft das Bündnis zu solidarischem Handeln und Helfen im Katastrophenfall auf. „Aktion Deutschland Hilft“ hat sich zum verantwortungsvollen Umgang mit Spenden verpflichtet und ist unter anderem zertifiziertes Mitglied im Deutschen Spendenrat. Über Einsatz und Wirkung der Spendengelder informiert das Bündnis in den jährlichen Finanzberichten: https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/wir-ueber-uns/finanzen/

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Quelle: ots