Somalia: Wenn der Wohnort zur Todesfalle wird / Die Dürre in Somalia zwingt Millionen Menschen zur Flucht vor dem Hunger

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Mogadischu (ots) –

Der Regen in Somalia bleibt weiter aus und treibt die Zahlen der hungernden Menschen vor Ort kontinuierlich in die Höhe. Mindestens 7,8 Millionen sind von der schlimmsten Dürre in vier Jahrzehnten betroffen. Besonders besorgniserregend: „Geschieht kein Wunder in Form von Regen oder verstärkter humanitärer Hilfe, wird es bis zum Frühjahr 2023 mindestens 1,8 Millionen akut unterernährte sowie rund 515.000 lebensgefährlich mangelernährte Kinder geben!“, berichtet Bashir Said Hassan, Programmdirektor der SOS-Kinderdörfer in Somalia. „Auch wenn die höchste Stufe der Hungersnot von offizieller Seite noch nicht ausgerufen wurde, ist sie in der Realität schon längst hier. Menschen und Tiere sterben tagtäglich. Wir brauchen jetzt Taten und keine Worte.“

Massenflucht vom Land in die Stadt

Die Dürre wird von den Einheimischen „Sima“ genannt, was übersetzt „Ausgleich“ bedeutet: „Weil das gesamte Land davon betroffen ist und alle Menschen so auf eine Stufe gestellt werden – egal, ob sie vorher zehn oder hundert Schafe besaßen oder ein riesiges Stück Land,“ erklärt Dr. Deqa Dimbil aus dem Nothilfe-Team der SOS-Kinderdörfer. 90 Prozent der Fläche Somalias sind von Dürre und Hunger betroffen.

Besonders schwer ist die Lage für Menschen aus ländlichen Gebieten, die bisher zum Beispiel von Landwirtschaft und Viehzucht lebten. Nun – nach zwei Jahren ohne Regen – bedeutet ihr Wohnort das sichere Todesurteil, da ihre Nutztiere bereits verhungert sind und ein Anbau von Nahrung aufgrund des Wassermangels nicht mehr möglich ist. „Dadurch stehen sie vor einer unmenschlichen Entscheidung: Bleiben und sterben oder fliehen an einen ungewissen Ort?“, erklärt Hassan. „Viele Familien verlieren auf der Flucht Angehörige. Sie sind bereits zu schwach oder verfügen über nicht genügend Verpflegung, um den tage- oder sogar wochenlangen Fußmarsch zu überleben. Immer wieder hören wir von Müttern, die unterwegs ihre toten Babys begraben mussten – irgendwo im Nirgendwo! Das zerreißt einem das Herz, dass man ihnen nicht rechtzeitig helfen konnte.“

Überfüllte Flüchtlingscamps

Jeden Monat ziehen Zehntausende vom Land in die Stadt. Es gibt derzeit rund 2,9 Millionen Binnenvertriebene im Land, davon sind etwa 60 Prozent Minderjährige. Viele sind in Camps bei Baidoa und Burhakaba gestrandet. Aber auch dort herrscht Wasser-, Nahrungs- und Hygienemangel, wodurch die Körper der Menschen – insbesondere ihre Immunsysteme – immer schwächer und anfälliger werden. Viele Krankheiten breiten sich aus: Vor allem Magen-Darm-Erkrankungen wie Cholera, Lungenentzündungen, durch Sandfliegen ausgelöster Parasitenbefall sowie Malaria- und Masern-Infektionen nehmen zu. „Immer mehr Kinder haben Masern und viele sterben daran“, erklärt Dr. Dimbil. Um der Ausbreitung entgegenzuwirken, haben die SOS-Kinderdörfer zusammen mit anderen Organisationen wie der Weltgesundheitsbehörde und Unicef in der am schlimmsten betroffenen Bay-Region eine groß angelegte Impfaktion gestartet. Dabei werden fast 223.000 Kinder zwischen sechs Monaten und 15 Jahren geimpft, mit überlebenswichtigen Nährstoffen versorgt sowie entwurmt.

Mangel an medizinischer Versorgung

Immer mehr Menschen benötigen dringend medizinische Hilfe. Viele haben aber weder die finanziellen Mittel noch die Möglichkeit, überhaupt zu einem Arzt oder Krankenhaus zu gelangen oder für eine Behandlung zu bezahlen. Die SOS-Kinderdörfer versuchen mit mobilen Teams, so viele Menschen wie möglich auch in ländlichen Regionen medizinisch zu versorgen. Außerdem gibt es unter anderem eine Mutter-Kind-Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu, ein medizinisches Zentrum in Baidoa sowie mehrere sogenannte „Stabilisierungszentren“ in Somalia, in denen sich die SOS-Mitarbeiter hauptsächlich um unterernährte und kranke Kinder, Schwangere und Stillende kümmern.

„Die Anzahl der unterernährten Kinder, die zu uns kommen, hat sich in letzter Zeit verdreifacht! Immer mehr Kinder haben Ödeme am Körper, die von lebensbedrohlicher Unterversorgung stammen!“¸berichtet Hassan. Aber es gibt auch gute Nachrichten: „Es ist unglaublich, wie schnell viele der Kinder sich stabilisieren, sobald sie Hilfe erhalten“, erzählt eine Krankenschwester in Mogadischus Mutter-Kind-Klinik der SOS-Kinderdörfer.

Die SOS-Kinderdörfer in Somalia

Die SOS-Kinderdörfer sind seit 1983 in Somalia aktiv und helfen Kindern und Familien an mehreren Standorten. Politische Instabilität und die Präsenz aktiver Terrorgruppen verlangsamen die dringend notwendige Hilfe vieler NGOs vor Ort. Die Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer blieben bisher von direkten Angriffen verschont. SOS verdoppelt aktuell seine lebensrettenden Maßnahmen und schickt verstärkt Mitarbeiter in abgelegene Regionen Somalias, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen.

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Quelle: ots