Mit 80 ging das alles noch

Köln (ots) – Dieses Frühjahr hat Marianne Uhlenbrock ihren 88. Geburtstag gefeiert, gemeinsam mit vier Nachbarn. Sie haben sich erst im Seniorenheim kennengelernt, in dem sie seit drei Jahren lebt. Sie erzählt in diesem Interview davon, warum ihre Entscheidung zum Umzug damals die richtige war.

Wie kam es dazu, dass Sie über den Umzug in ein Seniorenheim nachgedacht haben?

Nach dem Tod meines Mannes, bekam ich selbst noch keine Rente. Ich war 58 und hatte keine Kinder. Ich wollte Geld verdienen und eine Freundin schlug mir vor, mich in einem neu erbauten Seniorenheim zu bewerben. Dort habe ich samstags und sonntags den ganzen Tag an der Pforte gearbeitet. Das habe ich fast zwanzig Jahre gemacht.

Da habe ich mitbekommen, wie wichtig es ist, sich selbst entscheiden zu können, wo man wohnen möchte. Ich dachte: „Du lässt dich nicht schicken. Du gehst von selber, wenn es sein muss. Und dann kannst Du vielleicht dort auch noch Anschluss finden.“ Das hatte ich immer im Hinterkopf.

In den letzten Jahren bin ich oft gefallen. Dann war ich wieder im Krankenhaus, dann in der Reha, wieder Krankenhaus, wieder Reha. Ich war mehr im Krankenhaus als zuhause. Dann habe ich mich in einem Heim angemeldet.

Wie haben Sie für sich das passende Heim gefunden? Warum haben sie sich für dieses entschieden?

Als ich mich angemeldet habe, hatte ich das Zimmer einer Freundin, die in jenem Heim wohnte, im Kopf, und habe es mir schon in Gedanken eingerichtet, überlegt, was ich mitnehmen könnte und wo ich alles hinstellen würde. Aber dort gab es dann keinen Platz für mich.

Dann musste ich nach einem Sturz in die Kurzzeitpflege und kam hierher. Das wollte ich eigentlich nicht. Meine Mutter hat acht Wochen hier gelebt und ist auch hier gestorben. Aber es hat mir gut gefallen, die Pfleger*innen sind nett und alles passte. Nur das Zimmer war mir zu klein. In dem anderen Heim wurde aber so schnell kein Platz frei. Diese Etage hier wurde erst neu aufgemacht. Da konnte ich mir das Zimmer, in dem ich jetzt wohne, sogar aussuchen. Das Bad ist schön groß. Ich habe hier eine Terrasse, im fünften Stock, da kann ich über die Stadt schauen. Ich kann mich nicht beklagen.

Mein jüngerer Bruder ist siebzig und sagte, dass ich die Entscheidung selber treffen sollte. Er würde mich auch weiterhin unterstützen, wenn ich alleine wohnen wollte.

Ich wollte eigentlich in der Nähe meines früheren Wohnviertels bleiben, weil da meine Freunde in der Umgebung wohnen. Aber die sind ja auch alle in meinem Alter und können teilweise nicht mehr vor die Tür. Hier kamen mich schon Freunde besuchen.

Fühlen Sie sich hier im Seniorenheim zuhause?

Sicherlich ist es zuhause am schönsten. Das ist klar. Das ist hier nicht mein Zuhause, denn ich habe nicht so viel Platz hier. Ich habe hier nicht meine Sachen. Ich habe immer viel gebastelt, hatte einen ganzen Schrank mit Bastelsachen – für Weihnachten, Ostern, für Geburtstage. Das passt hier nirgends hin. Was ich dann für ein Projekt brauche, bringt mir mein Bruder mit, oder eine Freundin. Aber alles andere passt.

Welche Unterstützung haben Sie hier?

Zuhause hätte ich den ganzen Tag Hilfe gebraucht und wäre allein gewesen. Und ich wäre wieder gefallen. Ich hatte da einen Notruf. Hier aber ist sofort jemand da.

Die Pfleger*innen sind sehr hilfsbereit. Gestern Abend kam der eine junge Pfleger und fragte, ob es mir gut geht. Ich sagte: „Warum fragen Sie?“ „Na, Sie sind mir heute so still“, hat er gesagt. Das fand ich gut. Der ist erst zwanzig, hat die Ausbildung schon abgeschlossen. Ich hoffe, dass er weiterhin so viel Freude an seiner Arbeit hat.

Die Wäsche – das ist prima – wird dienstags abgeholt, mittwochs liegt sie schon wieder da.

Das Essen ist hier nicht wie zuhause. Aber manches ist sehr lecker. Früher haben sie hier selbst gekocht. Eine Freundin von mir hatte damals hier gegenüber gewohnt und oft hier gegessen, weil sie hier auch ehrenamtlich tätig war. Das war sehr lecker. Aber jetzt kommt es von einem Caterer.

Es ist mir manchmal auch schwergefallen, Hilfe anzunehmen. Aber das kannte ich alles schon von meiner Mutter. Erst hatte sie einen Rollator, später saß sie im Rollstuhl. Dann wollte sie nicht raus: „Was sollen die Leute sagen?“ Vieles, zum Beispiel das Waschen war ihr natürlich auch peinlich. Ja, aber so ist es, das kommt bei den anderen auch irgendwann.

Sie haben selbst viele Jahre im Seniorenheim gearbeitet. Hat das zu Ihrer Entscheidung beigetragen?

Ja, da habe ich öfter erlebt, dass Bewohner*innen auch nicht da sein wollten, nach Hause wollten. Manche fühlten sich von ihren Familien abgeschoben und wollten die Kinder dann auch nicht mehr sehen. Eine Dame kam ihren Mann besuchen und sagte: „Das ist so schlimm, dass ich meinen Mann hier reintun muss. Er lebt sich nicht ein.“ Ich sagte zu ihr: „Ich würde das auch machen. Sie haben nachts Ruhe. Sie können sich den Tag einteilen. Und jeden Nachmittag kommen sie ausgeruht hierher.“ Da war sie beruhigt.

Ich wollte selber entscheiden. Das ist richtig gewesen. Im August bin ich drei Jahre hier.

Sie haben sich Anschluss gewünscht. Haben Sie hier neue Bekanntschaften geschlossen?

Ja, wir sind zu fünft. Zu dritt sitzen wir am Tisch. Ein Herr, der Hahn im Korb, ist dabei, der ist Anfang siebzig, aber Rollstuhlfahrer – er war schon vor mir hier. Die anderen Damen kamen nach uns in den letzten Jahren dazu. Wir feiern hier zusammen Geburtstag. Mein 88. war im Frühjahr, da konnten wir draußen alle auf der Terrasse sitzen. Wir organisieren uns das auch alleine, mit Kuchen und allem.

Verbringen Sie auch sonst Zeit zusammen, unternehmen etwas gemeinsam?

Wir haben hier Singen, Gymnastik und auch eine Andacht einmal in der Woche. Dann beten wir auch für die Verstorbenen. Beim Singen vor Corona waren wir schon mal 32 Leute. Früher haben wir samstags, sonntags Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt. Aber dafür kann ich zu wenig sehen und hören. Zu zweit geht das noch. Ansonsten schaue ich meine Sendungen, die kann ich mit Kopfhörer hören. Dann bin ich für mich. Wenn ich Unterhaltung haben will, gehe ich raus, in den Gemeinschaftsraum. Jetzt bei schönem Wetter sitzen wir draußen, hier auf der Terrasse. Es wird schon was geboten: Vorlesen, Raten, Bingo. Aber dann verstehe ich das nicht. Da lasse ich es lieber.

Ich höre schlecht. Ich kenne das von meiner Mutter, die hatte das auch. Sie sagte: „Dann sitze ich da und mache ‚hm, hm‘ und weiß nicht, ob da Ja oder Nein hinkommt.“ Jetzt geht es mir auch so.

Vor Corona haben wir auch Ausflüge gemacht. Da war ich dabei. Bevor ich hier wohnte, habe ich hier im Heim auch ehrenamtlich Vorträge gehalten, denn zehn Jahre habe ich einen Seniorenkreis organisiert.

Leben Sie hier rundum sorgenfrei?

Ich komme hin mit meinem Geld. Ich brauche für mich nicht viel.

Ich denke mir, was ist, wenn ich ans Liegen komme? Ich möchte nur immer weiter laufen. Mit einer der Damen drehen wir immer gemeinsam Runden um unseren Tisch auf der Terrasse oder im Gemeinschaftsraum. Wenn ich meine Schwester sehe, die macht noch Reisen. Sie ist aber vier Jahre jünger als ich. Mit 80 ging das bei mir auch noch alles.

Wenn Sie sich über die Möglichkeiten eines Lebens im Heim oder mit ambulanter Betreuung zu Hause informieren möchten, empfiehlt es sich, eine kostenfreie und unabhängige Pflegeberatung in Anspruch zu nehmen. Im Rahmen einer solchen Beratung können Sie feststellen, welche Versorgungsform am besten zu Ihren individuellen Bedürfnissen passt. Darüber hinaus erhalten Sie Informationen über die Unterstützungsmöglichkeiten durch die Pflegeversicherung.

Hintergrund:

Die compass private pflegeberatung berät Pflegebedürftige und deren Angehörige telefonisch und auf Wunsch auch zu Hause gemäß dem gesetzlichen Anspruch aller Versicherten auf kostenfreie und neutrale Pflegeberatung (§ 7a SGB XI). Die telefonische Beratung steht allen Versicherten offen, die aufsuchende Beratung ist privat Versicherten vorbehalten. compass ist als unabhängige Tochter des PKV-Verbandes mit rund 500 Pflegeberaterinnen und Pflegeberatern bundesweit tätig.

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Quelle: ots

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