Leid im Schafspelz: „Sheep of Sylt“ wirbt mit Lamm namens „Pulli“- und erhält dafür PETAs Negativpreis „Speziesismus des Monats“

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Stuttgart (ots) –

PETA verleiht „Sheep of Sylt“ den Negativpreis „Speziesismus des Monats (https://www.peta.de/neuigkeiten/speziesismus-des-monats/)“ im Juni. Das Wollgeschäft mit angeschlossener Schafzucht wirbt mit einem jungen Schafbock, der aufgrund seiner ungewöhnlichen Fellzeichnung „Pulli“ genannt wurde. Es ist speziesistisch, ein Individuum ausgerechnet nach einem Produkt zu benennen, für das seine Art qualvoll ausgebeutet wird. Um Woll-Produkte wie Pullover herzustellen, fügen Arbeiter den Schafen bei der Schur regelmäßig schmerzhafte Schnittwunden zu. Aufgrund von ertragssteigernder Qualzucht haben die Tiere zudem mit Hitze, Juckreiz und parasitären Erkrankungen zu kämpfen. Einem Großteil der Schafe wird schon im Kindesalter für Lammfleisch die Kehle durchtrennt. Alle anderen werden getötet, sobald sie für die Halter keinen Nutzen mehr erfüllen. „Pulli“ soll dagegen weiter für die Ausbeutung seiner Spezies werben.

„Ein junges Schaf ‚Pulli‘ zu nennen, dessen Art für Wolle ausgebeutet wird, ist nicht nur besonders zynisch, sondern auch speziesistisch“, so Johanna Fuoß, Fachreferentin für Tiere in der Bekleidungsindustrie bei PETA. „Der Name fügt sich in ein verdrehtes Weltbild ein, dem zufolge Schafe gequält und getötet werden dürfen, solange daraus ein Nutzen für Menschen entsteht. Wir fordern die Halter dazu auf, nicht nur ‚Pulli‘ die grausame Tötung im Schlachthaus zu ersparen, sondern jedem einzelnen Tier in der Herde. Außerdem muss die Qualzucht von Tieren ohne natürlichen Fellwechsel umgehend beendet werden.“

PETAs Negativpreis „Speziesismus des Monats“

PETA zeichnet seit September 2022 monatlich Personen, Unternehmen oder Produkte, die sich als besonders speziesistisch und tierfeindlich gezeigt haben, mit dem Negativpreis „Speziesismus des Monats“ aus. Nach einem Jahr wird für den skandalösesten Fall unter den bisherigen „Gewinnern“ der Titel „Speziesismus des Jahres“ verliehen, der in einer öffentlichen Abstimmung ermittelt wird. PETA möchte mit dem Preis die Gesellschaft für das Thema Speziesismus sensibilisieren und zum kritischen Reflektieren, Umdenken und tierfreundlichen Handeln anregen. Denn speziesistisches Denken schafft die Grundlage dafür, dass Tiere für menschliche Zwecke wie selbstverständlich benutzt, gequält und getötet werden.

Qualzucht von Schafen

Die allermeisten in Deutschland gehaltenen Schafe sind – wie „Pulli“ – Qualzuchten, denen ein natürlicher Fellwechsel für eine produktivere Wollausbeute weggezüchtet wurde. Für die Tiere ist das eine Katastrophe, da sie ihre Körpertemperatur nicht mehr eigenständig regulieren können. Sie sind somit davon abhängig, geschoren zu werden, um nicht unter der Wolllast von Parasiten heimgesucht zu werden oder gar an einem Hitzschlag zu sterben. Die Tiere leiden unter dem dichten Fell, unter dem oft die Haut juckt. Gleichzeitig ist die Schur für sie oftmals mit Stress, Panik und Gewalt verbunden. Meist werden die Tiere dabei gewaltsam fixiert und Schnittwunden sind selbst bei der achtsamsten Schur Alltag. Insbesondere an der empfindlichen Haut rund um ihre Gliedmaßen oder Geschlechtsteile kommt es häufig auch zu größeren blutigen Verletzungen oder der Abtrennung ganzer Körperteile wie ihrer Brustwarzen.

Gewaltsame Haltung

90 Prozent der in Deutschland gezüchteten Schafe wird im Lammalter die Kehle durchtrennt, noch bevor sie ihr erstes Lebensjahr erreichen. Zudem werden Schafe weltweit grausamen Prozeduren unterzogen, die sie an optimierte Betriebsabläufe anpassen sollen. Ohne Betäubung werden ihnen beispielsweise bis heute die Ohren durchgestanzt und die Hoden entfernt – auch in der ökologischen Tierhaltung. Da „Pulli“ als sogenannter „Zuchtbock“ für die Produktion weiterer Qualzuchten in Erwägung gezogen wird, bleibt zumindest ihm dieser schmerzhafte Eingriff erspart. Den meisten Schafen in deutscher Haltung wurde zudem ein langer, von den Betrieben mittlerweile unerwünschter Schwanz angezüchtet. Oftmals wird den Tierkindern daher im Alter weniger Tage unter Schmerzen der Schwanzwirbel abgetrennt; und auch das ohne Betäubung.

Speziesismus – die Diskriminierung anderer Arten

Analog zu den Begriffen Rassismus und Sexismus beschreibt Speziesismus (https://www.peta.de/speziesismus) eine Form der Diskriminierung – genauer gesagt, die Abwertung empfindungsfähiger Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden und in sogenannte Haus- und Nutztiere unterteilt: So werden beispielsweise Hunde und Katzen liebevoll umsorgt, Schweine, Rinder und Hühner hingegen getötet und gegessen. Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur „falschen“ Spezies werden Tiere zu Forschungsobjekten, Nahrungsmitteln, Bekleidungsmaterial oder Spielzeug herabgestuft. Dabei können sie alle Freude und Leid empfinden und haben daher ein Interesse daran und ein Recht darauf, zu leben und nicht verletzt zu werden. PETA vertritt eine anti-speziesistische Sichtweise und betont, dass diese Gemeinsamkeit aller empfindungsfähigen Lebewesen entscheidend ist, wenn es darum geht, wer moralische Rechte hat. Tiere haben dasselbe Recht auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit wie Menschen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

Das Motiv steht Ihnen für die redaktionelle Berichterstattung hier (https://peta.pixxio.media/share/1688632743J6LEu5foVQMT2D/shared-content/overview/file/6349) zum Download zur Verfügung.

Pressekontakt:
Sophie Burke, +49 711 860591-528, [email protected]
Original-Content von: PETA Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots