Fast zwei Drittel aller Frühgeburten in Afrika südlich der Sahara / SOS-Kinderdörfer fordern zum Weltfrühgeborenentag (17.11.) bessere medizinische Versorgung für Mütter und Kinder

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München/Mogadischu (ots) –

In der letzten Dekade sind 65 Prozent aller Frühgeborenen in Afrika südlich der Sahara zur Welt gekommen. Gefolgt vom Süden Asiens, wo es zu 13 Prozent der globalen Frühgeburten kam. „Allein in Somalia liegt die Frühegeburtenrate bei zehn Prozent. Wir haben in unserer Klink etwa 15-20 Frühchen pro Monat“, sagt Dr. Mohamed Dakane, Leiter der SOS-Mutter-Kind-Klinik in Mogadischu.

Jedes 10. Baby ist ein Frühchen

Weltweit gab es laut einer Studie der Vereinten Nationen, die Daten vom Jahr 2010 bis 2020 zusammenfasst, rund 132 Millionen Neugeborene jährlich. Davon verließen 14 Millionen – also mehr als jedes zehnte Baby – den Mutterleib vor der 37. Schwangerschaftswoche. Von diesen Frühchen erreichen rund 900.000 nicht das fünfte Lebensjahr. Damit ist die Frühgeburt nach der Lungenentzündung die zweithäufigste Todesursache weltweit für Kinder unter fünf Jahren. „Aber nicht nur die Embryos und Säuglinge brauchen eine bessere Versorgung, sondern auch ihre Mütter“, sagt Dr. Dakane.

287.000 Frauen starben während der Schwangerschaft oder bei der Geburt im Jahr 2020 – 70 Prozent dieser Mütter in Ländern südlich der Sahara. „In Somalia überlebten bei 100.000 Geburten fast 700 Mütter diese nicht. Viele dieser Todesfälle könnten mit besseren und umfangreicheren medizinischen Maßnahmen verhindert werden“, so Dakane.

Gründe für Probleme in der Schwangerschaft

Als Gründe für Frühgeburten und Probleme in der Schwangerschaft nennt Dakane folgende: „Unzureichende Ernährung aufgrund von Armut und Hunger und der damit verbundene Mangel an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Rund 7,6 Millionen Menschen in Somalia sind von der Dürre und Hunger betroffen. Viele flüchten, um überleben zu können. Das bringt enormen Stress mit sich. Besonders für Schwangere ist dies keine gute Grundlage, um ein gesundes Baby zur Welt zu bringen.“ Weitere Faktoren seien fehlendes Wissen über die Ernährungsvielfalt, kulturelle Lebensmitteltabus sowie die Anfälligkeit für Krankheiten in der Schwangerschaft.

Mangelnder Zugang zu Gesundheitsdiensten wie Schwangerschaftsvor- und Nachsorge trage zudem dazu bei, dass werdende Mütter und ihre Babys einem höheren Gesundheitsrisiko ausgesetzt seien.

Frühgeburten bringen Risiken für Babys und Mütter

Eine Frühgeburt kann verschiedene gesundheitliche Probleme begünstigen. Frühchen können eine noch unterentwickelte Lunge und dadurch Schwierigkeiten haben, selbstständig zu atmen. „Auch Blutungen im Gehirn kommen oft vor, weil die Blutgefäße dort sehr empfindlich sind. Dies kann zu neurologischen Problemen führen“, erklärt Dakane. Außerdem seien Frühgeborene anfällig für Infektionskrankheiten, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist. Dies könne je nach Krankheit schnell zu ihrem Tod führen. Weitere Probleme von Frühgeborenen sind Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen, die von leichten Lernschwierigkeiten bis hin zu schweren neurologischen Störungen reichen können. Außerdem haben sie aufgrund einer unterentwickelten Leberfunktion ein größeres Risiko, an Gelbsucht zu erkranken, und haben häufig Schwierigkeiten, die eigene Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, wodurch sie anfällig für Unterkühlung oder Überhitzung (Hyperthermie) sind.

Mütter, die zu früh entbinden, haben ein höheres Risiko für übermäßige Blutungen nach der Geburt. „Außerdem kann es bei ihnen zu Bluthochdruck sowie der Schwangerschaftskomplikation ‚Präeklampsie‘ kommen, die zu Organschäden oder – versagen führen kann“, so Dakane. Darüber hinaus kann eine Frühgeburt für die Frau emotional und psychisch belastend sein, zum Beispiel, weil sie sich in einem für sie selbst körperlich schwierigen Moment den Herausforderungen der Betreuung eines fragilen Babys und dessen möglichen langfristigen Gesundheitsproblemen stellen muss.

Maßnahmen, um Frühgeburten zu reduzieren

Um die Anzahl der Frühgeburten zu reduzieren, brauchen Mütter eine bessere Schwangerschaftsvorsorge. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen können dabei helfen, Risikofaktoren für eine Frühgeburt rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern. Vor allem in ärmeren Ländern sind diese oft nicht verfügbar. „Das muss sich ändern! Die werdenden Mütter benötigen finanzielle und soziale Unterstützung, um Zugang zu angemessener Vorsorge zu haben und um Stressfaktoren zu reduzieren, die zu einer Frühgeburt führen können“, sagt Dakane. „Medizinische Einrichtungen und Gesundheitskampagnen sollten schwangere Frauen über die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen, richtiger Ernährung und einer gesunden Lebensweise aufklären, sowie Mädchen und junge Frauen über Verhütung und Familienplanung informieren, um Schwangerschaften angemessen zu planen.“

Die Arbeit der SOS-Kinderdörfer

Um Frauen eine gesunde Schwangerschaft zu ermöglichen sowie Frühgeburten zu verhindern, benötigen sie regelmäßigen und erschwinglichen Zugang zu Untersuchungen sowie Fachpersonal bei der Geburt. Frühchen brauchen eine spezielle medizinische Versorgung. Um diese zu gewährleisten, müssen die Ursachen für Frühgeburten erkannt und beseitigt werden. „Wir müssen Armut, Hunger, mangelnde Bildung und soziale Ungleichheiten bekämpfen, die zu unzureichender Gesundheitsversorgung und Ernährung während der Schwangerschaft führen!“, sagt Dakane.

An Standorten weltweit betreuen die SOS-Kinderdörfer Schwangere, Mütter und ihre Kinder in medizinischen Zentren und mit mobilen Gesundheitsteams und Hebammen, um auch Frauen an abgelegeneren Orten zu erreichen. Mit Aufklärungs- und Impfprogrammen werden Risikofaktoren, wie beispielsweise die Ansteckung mit Krankheiten während der Schwangerschaft, reduziert.

Infobox

Gründe für Frühgeburten:

Ernährung:

Mangelernährung, insbesondere während der Schwangerschaft, kann zu Frühgeburten führen. Ein unzureichender Zugang zu nährstoffreichen Nahrungsmitteln und die Unfähigkeit, den erhöhten Nährstoffbedarf während der Schwangerschaft zu decken, tragen zu diesem Problem bei. Der Mangel an essenziellen Nährstoffen wie Folsäure, Eisen, Kalzium und Protein kann die gesunde Entwicklung des Fötus beeinträchtigen und zu einer Frühgeburt führen.

Krankheiten:

In Staaten südlich der Sahara sowie in anderen Teilen Afrikas und der Welt stellen Krankheiten wie Malaria und andere Infektionskrankheiten ein erhebliches Risiko für schwangere Frauen dar. Diese schwächen das Immunsystem der Mütter und können zu einer Frühgeburt führen, da der Körper Schwierigkeiten bekommt, eine gesunde Schwangerschaft aufrechtzuerhalten.

Zugang zu medizinischer Versorgung:

Der eingeschränkte Zugang zu kostenloser, qualitativ hochwertiger Schwangerschaftsvorsorge und Gesundheitsdiensten ist ein entscheidender Faktor bei Frühgeburten. Viele schwangere Frauen, die in ärmeren Ländern und/oder abgelegenen Regionen leben, können keine angemessene und kostenlose Gesundheitsversorgung für sich und ihr Ungeborenes in Anspruch nehmen, aufgrund von Faktoren wie der Entfernung zu medizinischen Einrichtungen, fehlenden Transportmöglichkeiten und fehlenden finanziellen Mitteln. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und die frühzeitige Erkennung potenzieller Probleme können maßgeblich dazu beitragen, Frühgeburten vorzubeugen.

Soziale Faktoren:

Der Sozialstatus einer Frau spielt eine entscheidende Rolle dabei, ob sie ein gesundes Kind zur Welt bringen kann. Armut sowie mangelnde Bildung über die richtige Ernährung, Gesundheitspraktiken sowie Familienplanung können das Risiko von Fehlgeburten erhöhen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Boris Breyer
Pressesprecher
SOS-Kinderdörfer weltweit
Tel.: 0160 – 984 723 45
E-Mail: [email protected]
www.sos-kinderdoerfer.de

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Quelle: ots