Asklepios Psychiater: viele Social Media Videos über ADHS irreführend

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Hamburg/Göttingen (ots) –

Menschen informieren sich auch über psychische Störungen wie das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) immer mehr über das Internet. Dabei spielen auch Videos auf YouTube, Instagram und TikTok eine immer größere Rolle. Aus Sicht von Fachleuten ist das ein zweischneidiger Trend, denn z. B. nur bei jedem fünften Video auf TikTok hielt der Inhalt einer psychiatrischen Prüfung stand. Andererseits gibt es auch positive Seiten. So sinken Schamgefühle und Hemmungen, sich über psychische Erkrankungen auszutauschen, und die Videos ermöglichen die Beschäftigung mit Erkrankungen, über deren Existenz teils wenig Wissen vorhanden ist.

„Man sollte die Inhalte der Videos über psychische Krankheiten wie ADHS erstmal kritisch prüfen, insbesondere in den sozialen Medien wie bei TikTok“, sagt Privatdozent Dr. Daniel Schöttle, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit am Asklepios Klinikum Harburg. „Nach einer Studie im „Canadian Journal of Psychiatry“ enthielten nur 21 Prozent der Videos über ADHS fachlich korrekte Informationen, in gut der Hälfte fanden sich irreführende Information und ca. ein Viertel beschrieb lediglich persönliche Erfahrung“ (Anthony Yeung, 2022), so Dr. Schöttle weiter. Zugleich kann Dr. Schöttle, der als Spezialist für ADHS gilt, den Videos auch Gutes abgewinnen: So kann die Darstellung entstigmatisierend wirken und Anstoß geben, sich Hilfe zu suchen, wenn man sieht, dass die schlechte Stimmung nicht einfach nur „schlecht drauf sein“ ist, sondern möglicherweise im Rahmen einer depressiven Episode vorkommt.

Auch Prof. Dr. Knut Schnell, Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie des Asklepios Fachklinikums Göttingen, betrachtet den Trend zu den Psychiatrie-Videos differenziert:

„Einzelne Symptome können von jedem erkannt werden, aber das genügt für eine Diagnose natürlich nicht – und eine falsche Diagnose kann einen Menschen sehr einschränken.“ Obwohl Prof. Schnell selbst digitale Anwendungen in seinem Fachgebiet mitentwickelt und ihren Einsatz fördert, weist er darauf hin, dass der Konsum von Social Media per se mit einer Verschlechterung psychischer Gesundheit verbunden sein kann. Umgekehrt kann laut einer aktuellen Studie die Reduzierung der Nutzung von Diensten wie Twitter und TikTok zu einer Verbesserung des Wohlbefindens führen (Jeffrey Lambert, 2021). Zudem kann die Vermittlung unpassender Information durch die Suchalgorithmen zu unnötigen Ängsten durch eine Vielzahl falscher Diagnosevorschläge führen. Mitunter können auch Reize gesetzt werden, die ohne therapeutische Begleitung eine unnötige spezielle Angst vor psychischen Erkrankungen auslösen, die „Cyberchondria“.

Als mögliche positive Auswirkungen von Online-Informationsquellen sieht Prof. Schnell die Übernahme von Selbstverantwortung, dass ein offener Umgang mit psychischen Erkrankungen (wie er oft in den Videos vorkommt) Stigmatisierung abbauen kann und durch Vernetzung von Usern eine heilsame Ressource für die Betroffenen darstellen kann. Als besonders geeignete Möglichkeit sieht er die Entwicklung von Informationsplattformen in Zusammenarbeit von Gesunheitsexpert:innen mit Patient:innen und Angehörigen, die er in einer aktuellen Publikation mit Kollegen skizziert hat (HMD, 2022).

Beide Psychiater weisen zudem auf ein Problem hin, das kaum jemandem bewusst sein dürfte, der die Videos betrachtet: Influencer können auch ein wirtschaftliches Interesse an ihrem Thema haben. Dann ist gerade bei seelischer Gesundheit und der erhöhten Empfindlichkeit und mitunter Beeinflussbarkeit der Betroffenen sehr schnell die Grenze zur Manipulation überschritten. Daher betonen PD Dr. Schöttle und Prof. Schnell, dass Videos nie die Diagnostik durch Profis ersetzen können und sich jeder, der eine psychische Störung bei sich erkannt zu haben glaubt, untersuchen lassen sollte.

Literaturverzeichnis

Anthony Yeung, M. F.-J. (2022). TikTok and Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: A Cross-Sectional Study of SocialmMedia Content Quality. The Canadian Journal of Psychiatry/La Revue Canadienne de Psychiatrie Vol. 67(12) , S. 899-906.

HMD. (2022). HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik , S. 59:1513-1526.

Jeffrey Lambert, G. B. (http://doi.org/10.1089/cyber.2021.0324. May 2021). a One-Week Break from Social Media Improves Well-Being, Depression, and Anxiety: A Randomized Controlled Trial.Cyberpsychology, . Behavior, and Social Networking, S. 287-293.

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Quelle: ots