Absturz bei der Organspende / Betroffene fordern Runden Tisch

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Berlin (ots) –

Zum Tag der Organspende am 4. Juni 2022 appelliert die Initiative ProTransplant in einem Offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und die Gesundheitsminister*innen der Länder, schnellstmöglich einen Runden Tisch einzuberufen. Anlass ist der anhaltende Tiefstand bei den Organspendezahlen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) hatte für das erste Quartal 2022 einen weiteren dramatischen Einbruch um 29% gegenüber dem Vorjahreszeitraum gemeldet (Abb.). Insgesamt 21 Patient*innenorganisationen haben den Brief unterzeichnet.

„Trotz vieler erfolgreicher Kampagnen und einer stetig steigenden Spendenbereitschaft in der Bevölkerung erleben wir ein weiteres Desaster. Im ersten Quartal 2022 wurde ein neuer Negativrekord aufgestellt. Wir – die betroffenen, schwer erkrankten Mitbürger*innen – sind entsetzt und verzweifelt. Diese Entwicklung ist beschämend und nicht hinnehmbar. Der europaweite Vergleich offenbart ein deutsches Systemversagen. Für uns geht es um alles: Leben dürfen oder sterben müssen“, unterstreicht Mario Rosa-Bian, Vorstand der I.G. Niere NRW e.V.

„Es braucht einen Neustart“

Die Initiator*innen kritisieren, dass die Verantwortung zwischen Bund und Ländern, zwischen Krankenhäusern, Spitzenverbänden und der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hin- und hergeschoben wird. Ihre Bitte an die Politik: „Fassen Sie sich ein Herz. Bringen Sie alle Beteiligten an einen Tisch. Die Organspende muss zum großen Check-up. Es braucht einen Neustart.“

Beteiligt werden sollten aus Sicht von ProTransplant neben den Betroffenen, dem Bundesgesundheitsministerium und den Gesundheitsministerien der Länder:

– die Transplantationsbeauftragten
– der Patientenbeauftragte der Bundesregierung,
– die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG),
– die DSO,
– die Bundesärztekammer (BÄK),
– die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG),
– die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN),
– die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH),
– die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG),
– die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU),
– die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI),
– den Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV Spitzenverband),
– die Initiative ProTransplant.

Sinkende Zahlen trotz steigender Bereitschaft

Die Mitglieder der Initiative berichten, dass sie 2019, „nach bitteren Jahren voller Rückschritte“, kurz Hoffnung geschöpft hätten: Alle politischen Parteien seien entschlossen gewesen, die Situation der Wartepatient*innen für eine Organspende deutlich zu verbessern und hätten versprochen, dass die neuen Gesetze in den darauffolgenden Jahren wirken würden. Die Wirkung sei jedoch bis heute ausgeblieben. Seit 15 Jahren sinke die Zahl der Organtransplantationen in Deutschland, während die Spendenbereitschaft ständig steigt. „Wenn die bisherige Transplantations-Gesetzgebung der Patient wäre, müsste man diagnostizieren: Austherapiert! Da bleibt nur: Die Organspende braucht ein neues Herz!“, so das Fazit von ProTransplant.

Auch die Ursachen werden benannt. Demnach werden viele potenzielle Organspender*innen nicht erkannt und gemeldet. Das Engagement der Krankenhäuser bleibe „weit unter den Möglichkeiten“, heißt es. Zudem sei das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bereits mit Inkrafttreten zum 1. März 2022 gescheitert. „Niemand konnte und wollte sich vorstellen, was jetzt Realität ist: Aus den katastrophalen Zuständen ist ein Desaster geworden, ein Absturz. Patient*innenbetreuer berichten, dass sie ihre Arbeit einstellen, weil sie keine Hoffnung mehr machen können. Derzeit bleibt als einzig brauchbarer Rat für Betroffene: Verlasst Deutschland“, so das bittere Fazit von Peter Schlauderer, Verein Lebertransplantierte Deutschland.

Wartezeit für eine Niere: Schweiz 3, Deutschland 10 Jahre

Die Verfasser*innen des Briefes verweisen auch auf die Schweiz, wo die Opt-out Regelung auf Basis des jüngsten Volksentscheids nun eingeführt wird. Mit ausschlaggebend war eine Wartezeit auf eine Niere von 3 Jahren. In Deutschland sind es aktuell 10 Jahre – für viele dialysepflichtige Patient*innen mehr als ihre durchschnittliche Lebenserwartung. Die Initiator*innen geben sich überzeugt, dass eine Opt-out Regelung ein unverzichtbarer Baustein zum Erfolg ist.

Nachdrücklich bitten sie die verantwortlichen Gesundheitspolitiker*innen: „Beenden Sie diesen Alleingang, beenden Sie das unnötige, stille tausendfache Sterben in Deutschland!

Zum Offenen Brief:

https://www.pro-transplant.de

Pressekontakt:
Zazie Knepper
[email protected]
Original-Content von: BündnisProTransplant, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots